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Geschichte des Frauenfussballs

Frauenfussball Villmergen 1985 bis 2010 

Gründung
Edith „Gipsy" Fortis-Seeholzer und Therry Landis-Kühne, zwei grümpelturnier-müde junge Frauen, klopften beim FC Villmergen an und baten um Aufnahme und Bildung eines Damenteams. Die Auflage, mindestens 18 gleich-gesinnte Frauen zu finden, wurde mühelos erfüllt: am Schluss vermittelte der versierte Trainer Freddy Bachlmayr sogar 22 Frauen die Finessen des Fussballspielens. Eine neue Damenmannschaft war geboren! Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits 97 Damenmannschaften1 und ca. 2000 lizenzierte Spielerinnen1 in der ganzen Schweiz.

1985
Die ersten zwei Trainingsspiele wurden im November 1985 und März 86 gegen Steinhausen ausgetragen. Die zwei Niederlagen (1:4 resp. 2:4) vermochten die gute Laune nicht zu trüben, konnten die Neulinge doch mithalten und bereits viele Zuschauer anlocken. Die Resultate waren zu diesem Zeitpunkt zweitrangig.

1986 - 1991
Der DFC Villmergen trug die ersten Ernstkämpfe in der Rückrunde 85/86 aus und konnte einige etablierte Gegner in der Tabelle hinter sich lassen. Schon nach zwei Saisons liebäugelten die Bachlmayr-Girls mit dem Aufstieg. Am Saisonende belegten die Villmergerinnen regelmässig Spitzenplätze, so auch 90/91. Das Duell gegen Spreiten-bach ging 0:1 verloren, was den Aufstieg und Jubel für Spreitenbach und den Trostpreis für Villmergen bedeutete.

Unvergessen bleibt die Teilnahme am internationalen Osterturnier Lugano. Nach zwei nasskalten Spieltagen, wenig Schlaf in der Zivilschutzanlage und Ausschlägen an den Beinen von den aufgeklebten Nummern auf den Trainingsanzügen reisten die Villmergerinnen mit Muskelkater erleichtert zurück in die sonnige Deutschschweiz.

In der Saison 90/91 konnte erstmals eine Juniorinnenmannschaft gemeldet werden, ein Jahr später gar eine Formation bei den Piccolas. Zu diesem Zeitpunkt gab es 30 Juniorinnenteams, 139 Frauenteams und ca. 2750 lizenzierte Spielerinnen1.
In den traditionellen Kurz-Trainingslagern über den 1. August wurde der Zusammenhalt gefestigt, ob in Wildhaus, Dornach oder gar im Wallis. Nicht nur intensive Trainings, auch Koch- und Singkünste waren gefragt.

1992 - 1994
In der Saison 1992/1993 nahm der Aufwind für fussballbegeisterte Frauen neue Formen an. Eine zweite Frauschaft konnte angemeldet werden, trainiert von Peter Huber und Corrado Fava. Im selben Jahr wurde auch der langersehnte Aufstieg realisiert! Villmergen gewann beide Aufstiegsspiele gegen Burgdorf. Die Freiämterinnen spielten sich mit offensivem Traum-Fussball und einem Torfestival in die Herzen der zahlreichen Zuschauer. In der darauffolgenden Saison mussten die Villmergerinnen beweisen, dass sie auch gegen 1. Liga Vereine bestehen können. Die Reisen zu den Gegnern wurden lange und führten bis in die Westschweiz: Genf, Giffers, Bern, Alterswil, Münsingen, Zuchwil, Wallbach und Spreitenbach. Neu gab es sogar einen Fan-Club, und die Fussballerinnen wurden in einem Mietbus zu den Auswärtsspielen transportiert.

In dieser Saison ereignete sich auch noch eine besondere Cuppartie. Am Sonntag, 18. Oktober 1992 war NLB-Vertreter Einsiedeln bei unserem Erstligisten zu Gast und lag bald 2:3 im Rückstand. Nach einem angeblichen Fehlentscheid des Schiedsrichters rastete eine Einsiedlerin aus, betitelte den Schiri als Pfeife und sah dafür natürlich die rote Karte. Ihre Antwort darauf war eine schallende Ohrfeige an die Adresse des Spielleiters. Dieser brach die Partie ab und erklärte die Villmergerinnen zum 3:0 Forfait-Sieger. Die Geschichte sorgte in der Regionalpresse und sogar im Blick für Schlagzeilen!

Die Villmergerinnen sorgten nicht nur im Cup, sondern auch in der Meisterschaft für Furore: der Durchmarsch von der 2. Liga in die Nationalliga B gelang den Freiämterinnen! Das Hinspiel beim NLB-Tabellenletzten Verdeaux wurde 0:2 gewonnen, zum Rückspiel traten die Westschweizerinnen gar nicht mehr an. Nach der kurzen Enttäuschung wurde der Aufstieg trotzdem gebührend gefeiert.

In der Saison 92/93 machten auch langsam die Piccolas von sich reden. Am Anfang bezahlten sie noch Lehrgeld, doch nach kurzer Zeit stellten sich auch hier Erfolge ein. Die Jüngsten feierten nach teilweise langen Anreisen einige Siege, wie z.B. im Tessin gegen Audax Gudo (4:1), in Küssnacht a.R. (21:1) oder gegen Seebach (11:6).

In der ersten Spielzeit in der zweithöchsten Liga unter dem neuen Trainer Peter Huber schlugen sich die Neulinge bemerkenswert. Aus 18 Spielen resultierten 8 Siege und 3 Unentschieden und damit Rang 5. Beat Hochuli folgte auf Huber, der aus beruflichen Gründen sein Amt bereits abgeben musste. Auch die nächste Saison konnte auf dem guten 6. Tabellenrang abgeschlossen werden.1994/1995


In dieser Saison konnten die Juniorinnen ihre Kräfte zum ersten Mal im Ausland an einem internationalen Turnier messen. Die Reise ging nach Wiler zum Stein (bei Stuttgart). Die Juniorinnen mussten sich zwar mit dem 14. Rang begnügen, konnten aber zwei Basler Teams hinter sich lassen und erzielten das beste Schweizer Resultat.

1995/1996
In der Saison spielten die Piccolas in der E-Klasse bei den Knaben mit und schlugen sich nicht schlecht. Es waren einige Erfolge zu verzeichnen, und immerhin spielte man gegen Jungs. Da machten Siege doppelt Spass!

Neben Fussball bewiesen die Villmergerinnen auch ihr Geschick beim Autowaschen – lange Schlangen bildeten sich vor der begehrten Handwäsche-Station!1996

Nach vier erfolgreichen Jahren in der NLB kam der Abstieg in die 1. Liga. So schnell der Aufstieg, so schnell der Fall – die Villmergerinnen fanden sich ein Jahr später gar in der 2. Liga wieder. Seit dieser Zeit schnupperte man jedes Jahr am Aufstieg und scheiterte knapp. Wegen Personalmangel musste das Damenzwei aufgelöst werden.

1999/2000
Nun machen wir einen Zeitsprung in die Saison 1999/2000. Am Ende der Spielzeit trennte den Tabellenersten Baden und den Verfolger Villmergen nur ein Punkt! Dafür machte man im Cup von sich reden! Als erstes bezwang man den Nachbarverein Seengen aus der 2. Liga. Als zweiter Gegner wartete mit NLB-Vertreter Therwil ein grosser Brocken. Cupschreck Villmergen schlug zu und ging als Sieger vom Feld! Als nur noch 32 Mannschaften im Cup vertreten waren, bedeutete NLA-Club Schwerzenbach Endstation. Geni Räber betreute die Frauen.

2000 - 2003
In der Saison 2000/2001 lagen endlich die Villmergerinnen an der Tabellenspitze! Nach 14 Spielen ungeschlagen und mit einem Torverhältnis von 111:9! Die Aufstiegsspiele gegen Ebnat-Kappel konnten aber nicht gewonnen werden. In der nächsten Saison ein ganz ähnliches Bild: ohne Niederlage, mit 6 Punkten Vorsprung auf Windisch und einem Torverhältnis von 85:7 auf Platz eins, aber in den Aufstiegsspielen gegen Wolhusen chancenlos. In der Saison 2002/2003 stieg der Tabellenerste direkt in die 1. Liga auf, dank dem Zusammenschluss mit dem IFV. Das war die Chance! Doch genau diese Saison missriet den Villmergerinnen total. Gegen die vielen unbekannten Gegner gab es häufig Niederlagen, am Schluss fanden sich Villmergen auf Rang 8 von 10 Teams!

2004/2005
Unter der Führung des Trainergespannes Nina Ellingsen und Theo Sax spielten die Damen zwar um den Aufstieg mit. Am Schluss waren es jedoch die Frauen des FC Baar, die den Aufstieg bejubeln durften. Am Schluss fehlten nur drei Punkte und ein paar Tore.

2005/2006
In dieser Saison übernahm Theo Sax das Traineramt. Die Vorbereitung für die neue Saison startete gut. Im Cup kam man seit einiger Zeit wieder über die erste Runde hinaus (Sieg in der Verlängerung gegen Aarau), doch danach war Endstation gegen Windisch. Die Villmergerinnen verspielten einen möglichen Aufstieg kurz nach Aufnahme der Rückrunde. Die vorderen Teams – allen voran Schattdorf und Windisch – waren dieses Jahr zu stark.

Zum ersten Mal führten die Frauen in Eigenregie ein Hallenturnier durch.
Auf die Rückrunde konnte ein weiteres Mädchenteam gemeldet werden. Nun gab es in Villmergen fünf Damen- und Mädchenteams (Damen, Juniorinnen B, Juniorinnen D, Juniorinnen E und die Minis F).

2006 - 2010
Die letzten vier Saisons zusammengefasst: die Villmerger Nachwuchsarbeit ist konstant gut! Die B-Juniorinnen spielen in der 1. Stärkeklasse immer vorne mit, die D-Mädchen schlagen sich seit 2 Jahren in der 9-er Meisterschaft vorwiegend gegen Knabenmannschaften unter der Leitung von Peter Hegglin beachtlich. Beim Kinderfussball werden die Turniere im Aargau besucht, das umfasst die E- Mädchen, trainiert von Therry Landis und die F-Mädchen, trainiert von Céleste Blanc und Melanie Wirz.

Unsere Purtschert-Girls, die B-Juniorinnen, qualifizierten sich gar für den Aargauer Cupfinal in Baden, der im Penaltyschiessen zu Gunsten der Zofinger ausging.

Bei den Aktiven löst Reto Tännler nach einer Saison Pitsch Wyrsch als Trainer ab. Hoffen wir, dass bald wieder erfolgreiche Zeiten in Villmergen anbrechen, wie damals, als die Freiämterinnen als Cupschreck den NLA-Club Thun aus dem Rennen warfen und erst am vielfachen Schweizermeister Seebach scheiterten!

Beim FC Villmergen frönen heute über 70 Frauen und Mädchen ihrem Hobby. Freuen wir uns auf die Zukunft und weiterhin grossen Zulauf! Dann dürfen wir sicher früher oder später wieder Erfolge feiern und die Korken knallen lassen.

Gabi Schuppli / Therry Landis
Stand: Juli 2010

Quelle: "Zarte Füsschen am harten Leder..."

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